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Warenkunde


Kleine Warenkunde

1.    Qualit€tsmerkmale bei Bestecken

1.1 Materialien

Moderne Bestecke werden aus Chrom-Edelstahl gefertigt. Dieser besteht aus Eisen und Kohlenstoff, der mit mindestens 10,5% Chrom (CR) legiert wurde. Darauf bildet sich eine dünne, durchscheinende, aber sehr dichte Schutzschicht aus Chromoxid und schützt die Oberfl€che gegen Angriffe durch S€ure und Korrosionserscheinungen wie Rost. Je höher der Chrom-Anteil, desto robuster ist das Material. Legierungen mit Zus€tzen wie Nickel (Ni), Molybd€n (Mo), Titan u. a. erhöhen die Best€ndigkeit noch. In der Regel ist ein Hinweis auf das genaue Material (s. u.) auf die Rückseite der Besteckteile gestempelt oder ge€tzt. Auf den Messerklingen ist oft das Logo des Herstellers aufgebracht.

Edelstahl / Chrom-Edelstahl / „Rostfrei“ / Inox / Stainless steel

Einfacher Chrom-Edelstahl ist das weltweit für Bestecke am h€ufigsten verwendete Material. Je nach Chrom-Anteil (13,15 bis 18 %) spricht man von Chrom-Edelstahl 13/0 oder Chrom-Edelstahl 18/0. ESMEYER verwendet für Besteck-Garnituren ausschließlich das höherwertige 18/0-Material. Chrom-Edelstahl 18/0 bezeichnet man als „spülmaschinengeeignet“. „Edelstahl rostfrei“ ist übrigens ein geschützter Begriff des gleichnamigen Verbandes. Meist handelt sich im Besteckbereich um „normale“ Chrom-Edelstahl-Legierungen.

Chrom-Nickel-Edelstahl 18/8 oder 18/10

enth€lt 8,5–10% Nickel, ist robuster als Chrom-Edelstahl (höhere Rostbest€ndigkeit) und wird handelsüblich als „spülmaschinenfest“ bezeichnet. Es ist aber nicht uneingeschr€nkt resistent gegen l€ngeren Kontakt mit S€uren und anderen aggressiven Stoffen (z. B. Salz). Das heißt, es kann bei schlechter Pflege Schaden nehmen, siehe Kapitel „Pflegetips“. Von einer durch Nickel im Besteck ausgelösten allergischen Reaktion (Nickel-Allergie) ist uns in über 50 Jahren nichts bekannt geworden! Wer selbst testen möchte: Mit Nickel legierter Stahl ist nicht magnetisch. Bleibt Ihr Magnet am Besteck fest haften, handelt es sich nicht um Chrom-Nickel-Edelstahl.

Messer

Unabh€ngig von der sonstigen Materialqualit€t werden Messerklingen grunds€tzlich aus niedriglegiertem Chrom-Edelstahl (ohne Nickel-Zusatz!) hergestellt, da die Klingen aus technischen Gründen sonst nicht zu sch€rfen w€ren. Für Tafelmesser wird in der Regel einfacher Chrom-Edelstahl  verwendet. Bei sogenanntem „Klingenstahl“ handelt es sich meist um Chromstahl mit einem geringen Zusatz von Molybd€n und Vanadium. Dieses Material findet man h€ufig bei Küchenmessern. Beide Materialien sind jedoch, wie oben beschrieben, nur bedingt rostsicher. Deshalb bedürfen die Messer immer besonders aufmerksamer Pflege (siehe Pflegetips).

Üblich sind heutzutage Monobloc-Messer, die aus einem Stück gefertigt werden.  Bei teuren Bestecken findet man immer noch vereinzelt Hohlheft-Messer (Klinge aus Klingenstahl eingesetzt in ein Heft aus einem anderen Material). Die höhere Wertigkeit ist jedoch heutzutage nicht mehr allgemein bekannt.

Kombinations-Bestecke

Heutzutage haben Griffe aus Kunststoff und Holz die traditionellen Porzellan- oder Keramikgriffe abgelöst. Für beide empfehlen wir generell Handspülung (Holz quillt auf, Kunststoff wird auf die Dauer matt). Bei Bestecken h€ufig verwendete Kunststoffe sind ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymere), PP (Polypropylen), Acryl (Kunstharz, bei transparenten Griffen), POM (Polyoxymethylen) und Bakelit. Der Kunststoff erlaubt inzwischen vielf€ltige Gestaltungsmöglichkeiten wie z. B. Bestecke mit Motiven (als Druck oder als eingelegtes Foto), transparente Besteckgriffe u. v. a.

Entscheidendes Qualit€tsmerkmal ist neben dem optischen Eindruck die „Bruchsicherheit“. Schlecht verarbeitete Kunststoffgriffe können bei der Benutzung abbrechen, wenn die Verbindung zwischen dem Metall-Oberteil und dem Griff nicht stark genug ist. In der Regel hat das Oberteil am unteren Ende eine Verl€ngerung („Erl“), der in den Griff gesteckt und mit Klebstoff unter Hitzeeinwirkung befestigt wird. Die L€nge des Erls, die Qualit€t des Klebers, die Temperatur und die Zeit der Aush€rtung sind entscheidend für die Stabilit€t.

Eine besondere Lösung hat man mit den sogenannten „full tang“-  Bestecken gefunden. Hierbei geht der Metall-Erl über die gesamte Griffl€nge, der Kunststoff ist nur in Form von sogenannten „Griff-Schalen“ auf das Besteck aufgeklebt, genietet oder geschweißt.

1.2 Materialst€rke

Normale Metallbestecke werden aus Blechen gestanzt und sind daher flach. Die „Dicke“ der Besteckteile bewegt sich meist zwischen 1,5 u. 3,5 mm, gemessen am „Hals“ des Besteckteils.  Dabei sind Löffel und Gabel sowie die großen Vorlegeteile (Servierlöffel, Tortenheber etc) am st€rksten, die Kleinteile (Kaffeelöffel, Kuchengabel etc. ) und kleinen Vorlegeteile (Zuckerlöffel etc.) meist 0,2-0,5 mm dünner. Die Oberteile „Mundstücke“ sind meistens dünner gewalzt.

Bestecke von geringer St€rke verbiegen sich bei intensiver Nutzung zu leicht, Bestecke mit höherer St€rke als 3 mm sind oft schlecht zu handhaben. Ganz geschmiedete Bestecke haben meistens „runde“ Griffe. Daher gibt man in der Regel das Gewicht in Gramm pro Teil an. Messer bewertet man grunds€tzlich nicht nach der Materialst€rke, sondern nach ihrem Gewicht.

1.3 Oberfl€chenbehandlung / Veredelung

a) Politur

Bei der Herstellung durchl€uft ein Besteck mehrere Politur-Vorg€nge. Die Politur verleiht dem Besteck den schönen Glanz („hochglanzpoliert“) und „schließt“ Unebenheiten, was die Oberfl€che schützt. Besondere Beachtung verdient auch eine sorgf€ltige Kantenpolitur. Bei extrem preiswerten Bestecken wird die Oberfl€che nicht poliert, sondern trowalisiert (auch „gerommelt“). Ähnlich dem von Jeans bekannten „stone-wash“-Effekt werden die Besteckteile in einer Trommel mit kleinen Steinchen bewegt. Die Besteck gl€nzen hinterher etwas weniger und die Kanten sind nicht ganz so ebenm€ßig. Auf die Spülmaschinen-eignung hat das Trowalisieren wenig Einfluß.

b) Vergoldung / Versilberung

Bei der Vergoldung wird - oft noch in Handarbeit – feinstes Hartgold durch Elektrolyse auf die Besteck-teile aufgebracht („galvanisch veredelt“). Die Goldauflage wird nach my (Mikron) gemessen. 1 my ist 1/1000 Millimeter. Von „Dekor“-Vergoldung spricht man, wenn nur die reliefartigen Dekorationslinien auf einem Besteck vergoldet werden. Dies geschieht mit einer Schablone.

Die Vergoldung hat keinen (negativen) Einfluß auf die Spülmaschineneignung eines Besteckes. Sie ist relativ teuer und kann den Preis eines Standard-Besteck leicht um 25 – 40% erhöhen. Versilberte Bestecke haben in den letzten Jahrzehnten stark an Marktbedeutung verloren. Daher gehen wir hier nicht n€her darauf ein, weitere Informationen finden Sie jedoch auf unseren Internetseiten.

c) Satinierung / Mattierung

Die Begriffe „satiniert“, „mattiert“ und „gesandstrahlt“ werden heute oft wahllos verwendet. Tats€chlich beziehen sie sich ursprünglich auf sehr unterschiedliche technische Verfahren, die aus der Schmuckfertigung stammen und eine unterschiedliche Feinheit der Oberfl€chenstruktur zum Ergebnis haben. Die h€ufigste Technik ist heute das „Sandstrahlen“, bei dem ein Gebl€se die Edelstahloberfl€che mit feinkörnigem Korund- oder Quarzsand „bestrahlt“.

Von den vorgenannten ist die „gebürstete“ Oberfl€che deutlich zu unterscheiden. Hierbei wird die Oberfl€che mit einer groben Bürstenscheibe behandelt. Es entsteht eine große Anzahl ungleichm€ßiger Linien in dichtem Abstand, die eine matte Anmutung haben.

2. Wie entsteht ein Besteck?

Konventionelle Herstellung

In der Regel werden Bestecke aus flachen Blechen geschnitten. Hierbei benötigt man zur Herstellung eines Besteckteils über 30 Arbeitsschritte. Zun€chst werden grobe Teile, die sog. „Brandeln“, ausgestanzt. Bei diesen walzt man dann das Stück, das sp€ter die Laffe (d. h. das Oberteil des Besteckteils, z. B. Löffelkelle bzw.  Gabelzinken) werden soll, in die Breite. Anschließend wird die Laffe richtig ausgeschnitten. Nun werden Laffen und Kellen durch Pr€gung geformt, werden gebogen und über eine Form gepresst. In diesem Prozess erfolgt auch die Dekorpr€gung und der Stil wird geformt.

Schließlich werden die überstehenden Teile abgeschnitten und es folgen Kantenschliff, Erstpolitur, Zweitpolitur und Reinigung. Die Messerklingen werden in einem separaten Prozeß geschmiedet. Sie erhalten durch das sogenannte „Abziehen“ ihre Sch€rfe, evtl. verst€rkt durch einen Wellenschliff.

Geschmiedete Bestecke

sind deutliche teurer als gestanzte. Beim aufwendigeren Schmieden werden aus runden Stahlbarren in mehreren Schmiedeprozessen die Besteckteile geformt und dekoriert, danach ebenfalls geschliffen und poliert. Es entstehen runde Besteckgriffe im Gegensatz zu den flachen Griffen der gestanzten Teile (daher der englische Begriff „flatware“).

Übrigens bedeutet die Herstellung von Werkzeugen für ein neues   Besteckteil oder -modell eine gewaltige Investition. In der Regel lohnt sich dieser Aufwand erst ab einer Produktionsmenge von ca. 60.000 Stück pro Besteckteil!

3. Zusammenstellungen und Besteckteile

Allein innerhalb Europas gibt es unz€hlige Unterschiede bei der Besteck-zusammenstellung. Auch innerhalb Deutschlands haben sich diese im Laufe der Jahrzehnte immer wieder ver€ndert und jeder Hersteller hat noch eigene Sonderzusammenstellungen. Lediglich die 24-, 30- und 72-teilige Garnitur kann mit einiger Gewissheit als deutschlandweit einheitlich bezeichnet werden.

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